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Wissenswertes aus Europa

Berichte 2026

Ein Jahrzehnt Creative Europe

Die Europäische Kommission hat einen Bericht über die Umsetzung von Creative Europe (2014–2024) veröffentlicht. Demnach stärkt der MEDIA-Strang die internationale Verbreitung europäischer Filme und Serien deutlich: Im Vergleich zu nicht-geförderten Werken erzielten geförderte Werke rund 241 Mio. zusätzliche Kinobesuche ausserhalb ihrer Herkunftsländer, während das Europa-Cinemas-Netzwerk 2023 fast 40 % der Tickets für nicht-nationale europäische Filme verkaufte. Auch die Produktion hat profitiert: 29 % der in der Entwicklung geförderten Projekte wurden veröffentlicht, 84 % der geförderten Projekte waren Koproduktionen. Für die Zukunft von Creative Europe und dem Nachfolgeprogramm AgoraEU zielt die Kommission auf ein grösseres internationales Publikum, insbesondere junge Menschen, sowie Innovation, Kooperation und Vielfalt weiter zu stärken. Zudem wird die Unterstützung wachsender Bereiche wie Videospiele und die Zusammenarbeit mit Mitgliedstaaten und Industrie ausgebaut.

Autorenschaft und Regie 2015-2024

Das EAO hat einen neuen Bericht über die Praxis von fast 39'000 Filmschaffenden in Drehbuch und Regie europäischer Kino- und TV-/SVoD-Spielfilme zwischen 2015 und 2024 veröffentlicht. Der Bericht zeigt: Über 40 % der Filmschaffenden, die 2015 an Kino- oder Fernsehproduktionen beteiligt waren, haben bis 2024 kein weiteres Projekt realisiert. Im Gegensatz dazu setzten 85 bis 90 % der Filmschaffenden in TV-/SVoD-Fiktion ihre Arbeit fort. Zwischen 2015 und 2024 arbeiteten Autoren an durchschnittlich 1,5 Kinofilmen gegenüber 3,3 TV-/SVoD-Filmen oder -Staffeln. Zudem bestätigt die Studie die weiterhin breite Existenz des Autorenfilm-Modells bei 63 % der Regieführenden von europäischen Kinofilmen in diesem Zeitraum. Bei TV-/SVoD-Fiktionswerken sind die Rollen von Drehbuch und Regie meist getrennt.

Showrunning in Europa

Die Internationale Filmschule Köln hat die erste europäische Studie zu Showrunning veröffentlicht. Sie zeigt, dass sich in den vergangenen Jahren in Europa ein erkennbares Showrunner-Modell entwickelt hat: Wie in den USA sind Showrunner hier meist die Autoren und Entwickler einer Serie und prägen massgeblich deren kreative Ausrichtung. Ein zentraler Unterschied zum US-Modell liegt jedoch in der Verteilung der Verantwortung: Während Showrunner in den USA in der Regel sowohl kreative Autorität als auch Budgetverantwortung tragen und damit als Entscheidungsinstanz fungieren, sind diese Aufgaben in Europa meist getrennt. Europäische Showrunner werden zwar in kreative Entscheidungen wie Casting, Drehbuch oder Schnitt eng eingebunden, verfügen aber selten über die finale finanzielle Freigabe. Stattdessen ist die Zusammenarbeit zwischen Showrunnern und Produzenten charakteristisch für europäische Produktionen. Kreative und wirtschaftliche Fragen werden häufig auf Augenhöhe verhandelt und beide Seiten begleiten den Entstehungsprozess von der Entwicklung bis zur Ausstrahlung gemeinsam. Gleichzeitig fehlt es an einer klaren Definition und branchenweiten Standards für die Rolle, was strukturelle Unsicherheiten schafft. Eine Chance für Europa sei dementsprechend die Klärung der Erwartungen an die Rolle, womit die Effizienz gesteigert, stärkere kreative Führungsrollen gefördert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Serienprodukte verbessert werden können.